eine andauernde Frage die mich beschäftigt,
ist die nach den Gegensätzen,
nach Grenze und Ausdehnung, nach Wirklichkeit und Fiktion,
nach Vergänglichkeit und Dauer, nach Siegen und Scheitern
wie steht der Prozeß zum Ergebnis?
das Ding zum Werden – Vergehen – Werden – Vergehen?

Aussichten auf die Fremdheit des eigenen Tuns.

Gegensätze sind Grenzen der Wirklichkeit.

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»tülband-lalesi Karlsruhe« 2010

Die Geschichte der Tulpe ist die der sich anziehenden Gegensätze (und Unvereinbarkeiten).

Die Geschichte eines »globalen« Austausches, vielleicht einer Haßliebe –bis heute-, die zwischen Europa und den Osmanen.
Die Geschichte von Leidenschaft und Spekulation, von Reichtum und Ruin, von Wirklichkeit und Wahn.

Das zeigen schon widersprüchliche Namensgebungen aus der Zeit des osmanischen Herrschers Mehmet IV, wie »Glücksstern« und »Die mir das Herz verbrennt«.

Ausschweifende Tulpenfeste am Hofe der Osmanen hielten sie nicht davon ab die Tulpe auch als religiöses Motiv zu verwenden.
»Die osmanische Bezeichnung für Tulpe – ‘lale’ – leitete sich aus dem persischen »laleh« ab. Las man dies rückwärts, ergab sich das Wort ‘helal’ – Halbmond, ein wichtiges Symbol des Islam.«

Aus der Leidenschaft zu einem Gewächs wurde Spekulationen der Tulpomanien des 17. und 18.Jahrhunderts, dazwischen die Türkenkriege von 1683 – 1699. Der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, dessen Sitz in Baden-Baden und später in Rastatt lag, nahm als Reichsfeldmarschall mehrfach an diesen Kriegen teil, daher auch die Bezeichnung Türkenlouis.
Aus dieser Zeit stammt der Grundstock der »Karlsruher Türkenbeute«.
Bezeichnend ein Gemälde auf dem der Markgraf – als Feind der Türken – in einem osmanischen Gewand gekleidet, dargestellt ist.

Neben dieser phantastischen Geschichte der Tulpenliebhaberei des 17.und 18.Jhd. mit ihrer imaginären Sprengkraft, stellen sich aber auch hintergründige Fragen nach der Entwurzelung und Verpflanzung, »nach dem Pflänzchen« in uns allen.
Heimatverlust und Migration sind globale Anliegen.

In der Geschichte von Karlsruhe ( und Rastatt ) finden sich deutliche Spuren zur Tulpe, von der «Karlsruher Türkenbeute” im Badischen Landesmuseum bis zum »Karlsruher Tulpenbuch« in der Badischen Landesbibliothek.

Blumenzucht und Blumenmalerei waren eine zeittypische Liebhaberei barocker Fürsten. Insbesondere die Tulpe, erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Europa bekannt geworden, erfreute sich größter Beliebtheit.

Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1679 – 1738)- Nachfolger von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden – selbst ein passionierter Gärtner, den man oft schon im Morgengrauen mit dem Spaten hantieren sah, konnte gegen Ende seines Lebens im Karlsruher Schlossgarten mehr als 5000 Tulpensorten bewundern.

Unter der Signatur KS Nische C13 bewahrt die Badische Landesbibliothek einen Band mit 72 Blumendarstellungen aus der Zeit Karl Wilhelms (um 1730). Hierbei ist auch die Geschichte der Karlsruher »Tulpenmädchen« wissenswert.

Aus den oben angeführten Entdeckungen ergab sich das »Tulpen« – Skulpturenprojekt »tülband-lalesi Karlsruhe« für die Art Karlsruhe.

Bruno Feger 25-11-09

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